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Dienstag, 8. November 2011

Ich bau' mir einen Pyrokocher

Ein Pyrolyseofen ist ganz salopp formuliert ein Hobo-Kocher in einem zweiten Zylinder, wobei die beiden Zylinder oben dicht miteinander verschlossen sind. Aber in echt ist es ein klein wenig komplizierter.

Mit einem Pyrolyseofen kann man Biokohle herstellen. Man kann Holz oder auch andere pflanzliche Ausgangsmaterialien verwenden. Dabei erzeugt Glut die notwendige Hitze und das aufsteigende Gas wird durch Sauerstoffzufuhr oberhalb des Materials verbrannt. Das Material verkohlt.

Meinen kleinen Pyrokocher hatte ich bereits im letzten Jahr gebaut. Natürlich war beim Bauen kein Fotoapparat zugegen, sodaß ich hier lediglich das bereits fertige und benutze Ergebnis abbilden kann.



Arbeitsmodell Pyrolyseofen
(Zur Erklärung des Prinzips habe ich mich in der Skizzierung des Ganzen probiert. - folgt noch)

Um das Prinzip zu verstehen, habe ich klein angefangen. Dies ist sicherlich keine auf Menge ausgelegte "Anlage". Aber für den Anfang reicht es aus. Verwendet habe ich einen ausgedienten Grillanzündkamin und eine größere Blechdose. Die Dose hat seitlich knapp über dem Boden mehrere große viereckige Löcher erhalten - an den Ecken eingebohrt und mit der Blechschere herausgeschnitten. Oben habe ich rings herum kleinere Löcher gebohrt. Dann habe ich die Dose in den Anzündkamin gestellt. Oben habe ich einen Blechring zwischen Dose und Anzündkamin gesteckt. Dazu habe ich aus einem Stück Blech einen Ring geschnitten, ca. doppelt so breit wie der Abstand zwischen beiden Zylindern. Dann habe ich den Blechring innen und außen ca. alle 5 mm eingeschnitten und die kleinen Laschen umgebogen. Bei den ersten Versuchen hat sich gezeigt, daß dieser Ring nicht dicht genug war, sodaß ich mit Katzenstreu (natürliches = Tonmineral) "abgedichtet" habe. Wenn man das Katzenstreu naß macht, kann man es sehr gut kneten. Etwas anderes hitzebeständiges ist mir ohne Schlosserwerkstatt nicht eingefallen. Das reicht eigentlich auch aus. Die oberen Löcher der inneren Dose habe ich nach mehreren Versuchen immer mal wieder vergrößert, was nicht so einfach ist, wenn das Teil eigentlich schon fertig ist. Daher sieht der äußere Zylinder auch etwas beulig aus.

Innenansicht
Holz funktioniert gut - Erdnußschalen sind noch Glückssache


Nach den ersten Mißerfolgen im letzten Jahr hatte ich das Experiment bei Seite gelegt und nun wieder hervorgeholt. Und nun klappt es. Zumindest mit Holz. Aber ursprünglich war mein Plan, auch anderes Material zu verkohlen. Denn bei meinem Kompostzyklus schaffen es Erd- und Walnußschalen sowie Pfirsichsteine nicht, sich zu zersetzen. Ebendiese habe ich praktisch immer auf dem Sieb, wenn ich den Kompost ernte. (Interessanter Weise sind mir Haselnußschalen und Pflaumensteine noch nie aufgefallen, das nur am Rande.) Daher dachte ich mir, ich könnte dieses Material verkohlen. Doch gerade bei Erdnußschalen muß ich noch ein bißchen testen. Entweder, sie verqualmen fürchterlich oder sie verbrennen zu feinster Asche. Verkohlte Erdnußschalen habe ich bisher erst zweimal gewinnen können. Vielleicht muß es doch eine etwas größere Anlage sein.

Nachtrag:
immer spektakulär, wenn das Gas zündet
so soll es nicht sein: zu viele Erdnußschalen qualmen fürchterlich

P.S.: Bei der Fotogelegenheit habe ich gleich noch den im letzten Jahr vorgestellten und noch nicht abgelichteten Bokashi-Eimer fotografiert.

Kohle für den Kleingärtner

Für die Herstellung eines Terra-Preta-Substrates benötigt man Holzkohle. Wieviel benötigt wird, dazu gehen die empirisch ermittelten Angaben etwas auseinander. Sie schwanken zwischen 10 und 30 %. Das ist nicht wenig. Doch, wie kommt man an ausreichend Holz- bzw. Pflanzenkohle für ein Terra-Preta-Substrat? Diese Frage hatte sich mir vor einem Jahr gestellt, als ich mit der Planung meines Beetversuches begonnen hatte.

Das Naheliegendste ist Grillkohle. Doch der Kohlezusatz muß ausreichend klein sein, größere Stückchen sind etwas ungünstig. Die Grillkohle zerkleinern ist eine ziemlich aufwändige und anstrengende Arbeit. Der "Prökelkram", der in fast jeder Grillkohletüte vorhanden ist und der mich früher wirklich geärgert hatte, ist aber auch nicht ausreichend. Das Lagerfeuer im Garten brachte ebenfalls nicht ausreichend Kohle. Also mußte ich suchen.

Auf einer Holzgasseite wurde, speziell für Terra-Preta-Versuche, Holzkohle angeboten. Doch leider blieb meine Anfrage komplett unbeantwortet. Eine nahe gelegene Köhlerei hatte abgesagt. Keine Ahnung, was die mit dem Kleinkram machen, aber sie konnten nichts abgeben. Dann wurde ich bei einer anderen kleinen privaten Köhlerei fündig. Einen Sack "Prökelkram" fast zum Holzkohlepreis.

Für den Beginn ist man sicherlich auf den Zukauf von Holz- oder Pflanzenkohle angewiesen. Immerhin, man kann Material verwenden, was sonst so nicht "verkehrsfähig" wäre. Doch dauerhaft ist mir eine andere, eigene Lösung lieber. Material, das ohnehin anfällt, wie der Kleinkram aus Grillkohletüten und meinen Gartenfeuern und vielleicht auch andere Stoffe, die sich verkohlen lassen. Es wird sich zeigen, ob die benötigte Menge zusammen kommt.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Webfund: Versuchsreihen Terra-Preta Herstellung

Ein kleines Bindeglied zwischen Topf- und Beetversuchen. "Holzkohle wirkt, EM-Wirkung läßt sich nicht feststellen"
"Als Ergebnis lässt sich folgendes Zusammenfassen: Bei einer Zugabe von Biokohle ab einem Anteil von 10 % erzielt man deutliche Effekte. Durch die Zugabe von effektiven Mikroorganismen konnte hingegen kein wesentlicher Effekt festgestellt werden."
Fa. Sonnenerde / Gerald Dunst
>>  Bericht der Versuchsreihen "C" und "D" zur Herstellung einer Terra Preta

Freitag, 10. Dezember 2010

Heilsbringer Biokohle?

Der Begriff verwirrt zunächst ein wenig. Die sogenannte Biokohle bzw. Biochar hat nichts mit dem glücklichen Ei oder dem vor Urkraft strotzenden Kohlrabi von nebenan zu tun. Als Biochar wird die aus allem möglichen organischem Abfall hergestellte Kohle bezeichnet.

Das schweizerische Delinat Institut hat in diesem Jahr einen etwas breiter angelegten Versuch mit Kleingärtnern durchgeführt. Sie haben Biochar in Erde gebuddelt und nun berichtet, was sich auf den Beeten getan hat. Die Auswertung ist etwas verhalten ausgefallen. Und sicherlich nur ein erster Schritt zu weiteren Experimenten.

Bodenveränderung ist halt ein bißchen komplex und nur schwer vereinbar mit der verständlichen menschlichen Ungeduld bei Experimenten. Wird mir bestimmt im nächsten Jahr auch so gehen.

>> Terra Preta ist nicht Biochar
>> Biokohleversuche in Kleingärten - erste Ergebnisse

Donnerstag, 25. November 2010

Wußten die Alten mehr, als sie uns verraten haben?

Manchmal frage ich mich, ob man sich neue Gedanken macht, weil man neue Informationen hat und damit alte Beobachtungen neu bewerten möchte, oder ob es wirklich eine gedankliche Weiterentwicklung ist.

Das Thema Boden ist ohne Frage ein spannendes Thema, wenn nicht gar das spannendste überhaupt. Und einen zentralen "Einstiegspunkt" gibt es da definitiv nicht. Verschiedene Fraktionen, verschiedene Sichtweisen, verschiedene Lehrmeinungen, lernt man kennen, taucht man ein in dieses spannende Thema. Einigkeit scheint tatsächlich "nur" bei der Feststellung zu herrschen, daß wir unsere Böden verbrauchen, vergewaltigen, auslöschen. Und daß dies in absehbarer Zeit ein sehr wichtiges globales Thema werden wird, weil es eigentlich jetzt schon ein weltweites Problem darstellt. Einigkeit scheint auch noch darin zu bestehen, daß das Thema Humus-Entstehung noch nicht vollständig erforscht bzw. verstanden wird. Bodenentstehung, geologisch gesehen, ja, aber der lebenserhaltende Humus ist scheinbar noch nicht wirklich komplett entschlüsselt; auch wenn sich einige Fraktionen schon auf der allwissenden Seite wähnen.

Am spannendsten finde ich im Moment das Projekt France-Harrar. Hier versuchen einige sehr ambitionierte Enthusiasten, ein seit Jahrzehnten vergessenes Wissen des Forscherehepaars Raoul Harrar und Anni France-Harrar wiederzubeleben. Und so ganz nebenbei den alles heilenden Mikrobenmix des Edaphon-Impfziegels wiederzufinden. Sehr spannend ist diese Entwicklung und sehr lesenswert ist das zu dem Projekt gehörende Forum. Die Entwicklung der Forenbeiträge ist dabei noch viel spannender als die unglaublich vielen Informationen, die dort zusammengetragen werden.

Eine ähnlich spannende und m.E. fundierte "Basisliga" bildet für mich das inzwischen fast schon zum Mainstream aufgestiegene Thema der Terra Preta. Auch hier sind die wirklich fundierten Hintergrundinfos teils sehr diffus, und auf alle Fälle spärlich gesät. Dieses Thema wird, wie es scheint, von der rein praktischen Seite aus angesteuert. Man versteht's nicht komplett, weiß bzw. bemerkt aber, daß es funktioniert. Und es lohnt sich gerade hier die wenigen ernsthaften Diskussionen längerfristig zu verfolgen. So hat mich - nicht so sehr der Beitrag, aber - die Diskussion zu einem Holzkohle-/Terra-Preta-Beitrag eines Blogs interessiert und nachdenklich gemacht.

Damit komme ich auf meinen eigentlichen Gedanken.
In meinem Sandboden finde ich hin und wieder Dachziegelscherben. Das war auch schon immer so. Und im Gegensatz zu den vielen Quarz-Kiessteinen, die zwangsläufig nach und nach aus dem Boden aufsteigen, durfte ich auch schon früher die gefundenen Tonscherben nicht auslesen. Oma sagte immer "Nein, die müssen drin bleiben". Manchmal ist es ja so, daß alte Erinnerungen erst wieder auftauchen, wenn man eine praktische Relevanz dazu hat. Und jetzt, nach der Lektüre des neuesten Blogkommentars, frage ich mich etwas, worüber ich vor kurzem noch nicht einmal nachgedacht habe. Immer wieder finde ich in der Gartenerde alte, verrostete Eisenteile. Manchmal kann ich nicht mehr erkennen, was es einmal war, so lange muß das schon im Boden gewesen sein. Manchmal erkenne ich Nägel, Scharniere, Riegel, also alles Teile, die irgendwie an irgend einer (Stall-)Tür angebracht waren. Und ich dachte immer, die (Altvorderen) haben das Holz in den Kompost geschmissen und das Eisen ist halt noch da. Doch jetzt lese ich in einem Kommentar (und ich hatte diese Querverbindung auch schon einmal vorher irgendwo gelesen, leider fällt mir die Quelle nicht mehr ein) daß es die eisenhaltige Erdoberfläche ist, die diesen (unseren) Humus entstehen läßt - als neue Erkenntinis, die kürzlich nachgewiesen wurde. Damit sehe ich auf einmal alles rostige Zeugs, was ich wirklich immer wieder in der Gartenerde finde, gänzlich anders.

Und ich frage mich wirklich: was wußten die Alten, ohne es uns zu sagen? (Haben sie sich geschämt, etwas weiterzugeben, was sich nicht 'beweisen' ließ und deshalb ist es in Vergessenheit geraten?) Keine Ahnung...